Café und tüdelü.

Ungewollte Ferien sind anfangs immer ein Grund zum Schmollen (sei sie verdammt, die Arbeitswut). Doch wenn man sie und den dazugehörigen individuellen und vom Rest der Gesellschaft verschobenen Tagesrhythmus zulässt, dann können sich Stunden à la merveilleux ergeben. Momente, die mit Kaffeeverabredungen, Freunden, Museen, Spaziergängen, Theater und Serien zugebracht werden können.

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Drei Adressen wurden in dieser Zeit getestet und gehören definitiv auf die « Wiederkehren »-Liste:

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a) Balls. Wenn man schon nichts von Ballspielen, Gruppenumkleidekabinen und nicht zu übertretenden Markierungen auf dem Boden hält, dann sollte man sich wenigstens kulinarischen Rundungen zuwenden. Balls ist ein Restaurant, dass (angeblich) wunderbare Fleischklöße und sehr gute (getestete) vegetarische Klopse zubereitet. Dazu gibt es eine Sauce zum « titschen » und ein leckeres supplément. Alles frisch zubereitet und mit einem Lächeln serviert. Ich war begeistert! Zur Zeit haben sie zwei Lokale in Paris: 47, rue Saint-Maur (75011) und 27, rue de Douai (75009). Falls ihr also in den Quartiers seid oder vor einem Theaterbesuch einen Happen zu euch nehmen wollt, dann ist das wirklich eine super Adresse.

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b) La Chambre aux Oiseaux. Würde ich in der Nähe des Canal Saint Martin wohnen, fände man mich vermutlich öfter dort. Kuschelig wie bei Oma, frischer Kuchenduft, ordentliche Kaffeetassen (ein richtiger Pot, würde die Oma wohl dazu sagen). Ein Ort, an dem man Stunden verbringen und tratschen kann. Wie ein zweites Wohnzimmer… 48, rue de Bichat (75010). Man muss nur den Pont überqueren, ein wenig seufzen und sich dann in einen Sessel fallen lassen. Ja, so ist es da.

c) Ob-la-di. An einem verregneten Mittwoch brachte mich der Bus ins Marais. Ein kurzer Stopp bei Caudalie, um an Crèmes zu schnuppern, dann ein Blick ins Musée Carnavalet (Ausstellung über das Viertel) und dann ein kleiner Spaziergang, der, aufgrund von dicken nassen Tropfen auf den Schuhen, im Café Ob-La-Di unterbrochen wurde. Es ist winzig und ich bin vermutlich dreimal daran vorbeigelaufen (Tropfen auf der Brille waren der Grund, nicht die Orientierungslosigkeit…). Einmal hinein gehüpft und einen Platz ergattert, bekam ich einen charmanten Café und genoss Dietmar Dath und die musikalischen Größen der 60/70er Jahre. Amazing. Magnifique. Die Finger blätterten im Schlagzeugertakt um und genossen den Augenblick: 54, rue de Saintonge (75003).

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Im Café zu sitzen, einen Espresso  zu schlürfen, Zeitung oder ein Buch zu lesen oder sich die Menschen anzusehen, ist tatsächlich eine Aktivität, die man in Paris zu genießen lernt. Für sich sein, einfach nur die Stimmung genießen. Es braucht nicht immer eine Verabredung oder eine Arbeit, die einen in ein Café zieht. Es ist auch so einmal schön, unter Menschen und doch für sich zu sein.

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Die letzte Woche führte zudem noch ins Ikea. Es gibt zahlreiche außerhalb von Paris und zum Glück gibt es Shuttlebusse, die von Paris aus ins Schwedenparadis fahren. An einem Wochentag ist es dort wirklich entspannend. Man kann in Ruhe durch die Gänge flanieren; die Verkäufer sind nicht genervt; die Kissenbezüge liegen ordentlich in einer Reihe und die Gläser haben keine fettigen Fingerabdrücke. Anderthalb Stunden und ein paar nützlicher Gegenstände reicher, ging es wieder zurück in die Stadt. Die Sonne schien fabelhaft. Es war der erste gelbe Nachmittag seit vielen Tagen.

Wenn es eine Sache gibt, die Pariser am liebsten tun, dann ist es am Wochenende auf das Land zu fahren. Hinaus, weit weg von der Metroluft, Anzügen und belegten Thunfischbroten mit Ei. Das Herz und ich fanden uns am Freitagabend auf dem Gare de Lyon wieder. Es ging Richtung Süden. Nach Valence. Ein herzliches kleines Städtchen mit bunten Hauswänden, einem dynamischen Samstagsmarkt auf dem Blumen, Brathuhn und Oliven angepriesen werden. Man blickt auf die Rhône, die Berge und genießt die zugige Luft.

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So geht eine ungewollte Ferienwoche zu Ende. Ein neuer Monat hat begonnen. Passend dazu, kam es heute zum metroischen Urknall: Blitz und Schneeflocken. Ich saß im Jeu de Paume und sah auf die Rue de Rivoli. In Gedanken bei den Fotos, die mir die letzte Stunde versüßt hatten. Magnifique. (Helena Almeida und François Kollar bis zum 22.05.2016; http://www.jeudepaume.org/)

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in den März !

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