Eine Opernkiste.

Wer liebt nicht Verdis Opern? Solche, die an das Rauschen von Ballroben, flatternde Fächer, schunkelnde Füsse und salzige Tränen erinnern…

Am Samstag war es wieder einmal so weit. Ab in die Bastille, um der italienischen creazione zu lauschen. Eine neue Produktion des Rigoletto, musikalisch von Nicola Luisotti geleitet und von Claus Guth inszeniert.

Ein Clown, ein Buffon, trägt, das Gesicht vor Schmerz erstarrt und in einem abgetragenem Mantel, eine Kiste auf die Bühne, währenddessen diese ebenfalls als Karton aufgeht. Die Geschichte beginnt. Rigoletto, der Hofnarr, erlaubt sich einen bösen Scherz und verspottet einen Grafen, dessen Tochter vom Herzog entehrt wurde. Der Graf verflucht den Buffon und den Herzog. Die Höflinge kidnappen daraufhin Rigolettos Tochter, die sie für seine Geliebte halten und dem Herzog übergeben wollen. Letzter hatte sie mehrere Male in der Kirche gesehen und will ihr den Hof machen, indem er sich als armer Student ausgibt. Sie fällt darauf hinein und schmachtet von ihren Gefühlen in einem Duett voll naiver Leidenschaft. Ihr Vater, ist ausser sich, bricht vor Kummer zusammen, findet letztendlich seine Tochter, vom Herzog entehrt, im Palast wieder und schwört Rache…. Es endet tragisch (mehr soll nicht verraten werden), sehr tragisch.

Der stumme Narr verfolgt die Handlung, lacht, klatscht in die Hände, stellt pantomimisch die Gelächter nach, schaut besorgt. Nach und nach erkennt man die Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Vater, doch bergreift man erst am Ende seine Funktion.

Meine Angst vor Clowns wurde durch die Musik und erstklassige Besetzung an den Rand geschoben. Die Hauptrollen, besetzt mit einer zauberhaften und herzlichen Olga Peretyatko und einem verzweifelten Ludovic Tézier, waren umwerfend und bekamen reichlich Applaus. Natürlich könnte man sich über dieses zerreissende, schwache Frauengeschöpf auslassen, das trotz Pein, ihrem Leiderträger das eigene Leben opfert. Wie bei Cosi fan tutte kommt es bei Rigoletto zu einem Ping-Pong-Spiel mit den weiblichen Charakteren, bei dem sogar noch ein paar ridicule Parolen vertont werden, sodass das Publikum in Verzückung gerät. Da stellt sich die Frage, wo die weiblichen Frauenautorinnen sind, die dem Ganzen mal ordentlich entgegenhalten. (Wie werden wohl Opern in hundert Jahren aussehen? Welche Thematik wird da an erster Stelle stehen?)

Ein Bémol des Abends waren die Videoprojektionen, die ein wenig zu dick aufgetragen waren. Ein junges Mädchen, das über eine sommersonnige Wiese rennt; zwei Hände, die sich festhalten und nicht loslassen wollen… Musik und Gesang hätten ausgereicht, denn sie waren durchaus ausdrucksstark und merveilleux.

Ein schöner Opernabend, dessen Musik mir unter die Haut ging.

Hier noch ein kleiner Tipp für euren Opernbesuch: Vor, in der Pause oder danach, solltet ihr in die dritte Etage gehen und den Ausblick über Paris geniessen. Von dort kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sehen und dem Sonnenuntergang beiwohnen. Dazu ein kleines Prickelwasser…

Hier der Link zur Opernfreude : https://www.operadeparis.fr/saison-15-16/opera/rigoletto

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